Herbert Boeckl-Retrospektive in Wien 1946: Die Eröffnungsreden

Unmittelbar nach der Befreiung Wiens im April 1945 wurde Herbert Boeckl als einer der wenigen in der Stadt und am Haus verbliebenen Professoren von der provisorischen Regierung der wiedererstandenen Republik Österreich als Rektor der Akademie der bildenden Künste eingesetzt. Architekt Alexander Popp, der Rektor der NS-Zeit, war aus Wien geflohen und Boeckl begann nun, die bis dahin betont konservative Akademie mit neuen Berufungen auf den Stand der modernen Kunst zu bringen. Mit den Malern Robin Christian Andersen und Albert Paris Gütersloh wurden zwei wichtige Exponenten der expressiven und der phantastischen Malerei der Zwischenkriegszeit bestellt und mit dem Bildhauer Fritz Wotruba, der die NS-Zeit in der Schweizer Emigration verbracht hatte, der innovativste österreichische und international angesehene Bildhauer jener Zeit gewonnen.

Im April 1946 schließlich präsentierte Boeckl eine Retrospektive seines bisherigen Werks in den Räumen der Akademie am Schillerplatz. Es war die erste große Retrospektive eines zeitgenössischen Malers jener Zeit in Wien nach 1945, weshalb der Veranstaltung große öffentliche Aufmerksamkeit zuteil wurde. Zur Eröffnung sprach der ehemalige Staatssekretär für Unterricht Hans Pernter, der bereits in der Kulturpolitik des christlich-sozialen Ständestaates (1934-1938) eine wichtige Rolle gespielt und 1935 Herbert Boeckl an die Wiener Akademie berufen hatte. Als Sektionschef betreute er ab 1945 nun erneut die Kunstagenden im Unterrichtsministerium. Neben Pernter hielt auch der neu an die Akademie berufene Maler Albert Paris Gütersloh bei Boeckls Ausstellungseröffnung eine Rede:

 

Autor: Matthias Boeckl

Writer, consultant, art & architectural historian