Von 26. November 1927 bis 8. Jänner 1928 präsentierte die Wiener Secession die erste große Personale von Herbert Boeckl mit 30 Ölbildern aus den vergangenen sieben Jahren. Diese repräsentative Schau im Zentrum des österreichischen Kunstbetriebs verschaffte dem jungen Kärntner große öffentliche Aufmerksamkeit und wurde zum entscheidenden Wendepunkt seiner Laufbahn. Die „Kollektion“ Boeckls war in die Herbstausstellung der Secession eingebettet, obwohl er zu diesem Zeitpunkt kein Mitglied der Pioniervereinigung der Wiener Moderne war. Präsident der Secession war der Maler Ferdinand Kitt, im Arbeitsausschuss (Vorstand) wirkten die Maler Anton Nowak, Oswald Roux, Franz Sedlacek und Josef Stoitzner, der Bildhauer Michael Drobil sowie der Architekt und Josef Hoffmann-Schüler Fritz Zeymer. Die Hängekommission der Ausstellung bestand aus Drobil, Kitt, Nowak und Stoitzner.
Mit seiner aufsehenerregenden Ausstellung hatte Boeckl sich in der jungen Ersten Republik als aufstrebender Hoffnungsträger der Moderne etabliert. Gustav Klimt war bereits zehn Jahre zuvor gestorben. Auch die jungen Expressionisten der Neukunstgruppe um den 1918 ebenfalls verstorbenen Egon Schiele wirkten nicht mehr in Wien. Franz Wiegele lebte in Kärnten, wo sich auch sein Schwager Anton Kolig niederließ, bevor er 1928 an die Stuttgarter Kunstakademie berufen wurde. Anton Faistauer lebte in Salzburg, Alfred Kubin in Oberösterreich und Wilhelm Thöny in Graz sowie ab 1931 in Paris. Oskar Kokoschka, der weithin bekannte „junge Wilde“ der Kunstschau, wurde 1919 an die Dresdner Kunstakademie berufen. Als anerkannte moderne Maler in Wien verblieben Robin Christian Andersen, Josef Dobrowsky, Albert Paris Gütersloh, Oskar Laske, Max Oppenheimer und Sergius Pauser.
So bot die seit 1919 weitgehend verwaiste Bühne der Wiener Avantgardemalerei für Boeckl die einmalige Chance, seinen gerade entstehenden expressiven Realismus als zeitgemäße Strömung der Moderne Österreichs zu etablieren. Die noch jüngeren Maler des späten Expressionismus, der Neuen Sachlichkeit und der Neulandgruppe, die sich bald danach vor allem in den Bundesländern in Malergruppen wie der Tiroler „Wage“, dem Salzburger „Wassermann“, der Grazer Secession oder dem Linzer Maerz organisierten, konnten erst einige Jahre später ihre Positionen im österreichischen Kunstbetrieb aufbauen.
Boeckl bezog unmittelbar nach dem Ende seiner Ausstellung in der Secession im Februar 1928 ein Atelier in der Wiener Argentinierstraße 42, das er bis zu seinem Schlaganfall im Jahre 1964 nutzen sollte. Seine rasch anwachsende Familie blieb zunächst in Kärnten und zog erst im Mai 1930 in ein gemietetes Haus in Perchtoldsdorf am südlichen Wiener Stadtrand.
Boeckls nunmehr dauerhafte Präsenz in Wien bot ihm den Zugang zu den wichtigsten Plattformen der zeitgenössischen Malerei im Künstlerhaus, in der Secession sowie in Gruppenausstellungen im Ausland. Neben Landschaften, Stadtbildern und Familienbildnissen entstanden nun auch immer mehr Porträts bekannter Persönlichkeiten des Wiener Kulturlebens. Seine zunehmende Prominenz konnte Boeckl dafür nutzen, in der Prosektur des Wiener Franz-Josef-Spitals seine Bilderserie zur Anatomie zu erarbeiten. Gemeinsam mit 20 weiteren Ölbildern präsentierte Boeckl das große Ölbild der Anatomie 1931 im Wiener Künstlerhaus. Zwei Jahre später begann er schließlich die Arbeit an seinem großen Flügelaltar mit dem zentralen Marienbild, der ihm 1934 einen Staatspreis für Malerei und in der Folge seine einflussreiche und kontinuierlich bis 1964 ausgeübte Professur an der Wiener Akademie der bildenden Künste eintrug.
Im Katalog wurden zwei Bilder von Boeckl reproduziert:


Zum Vollständigen Ausstellungskatalog
In der Presse erschienen teils sehr kritische Besprechungen der Ausstellung:



